Hessen wählt: buntgemustert statt kleinkariert

15. Oktober 2018

Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert: Eine Aktion des Frankfurter Römerbergbündnisses

AAm 28. Oktober wird der neue Hessische Landtag gewählt.

Hass soll in Hessen keine Chance bekommen: Das Frankfurter Römerbergbündnis, ein Zusammenschluss leitender Personen aus Jüdischer Gemeinde, Evangelischer Kirche, Katholischer Kirche, DGB, und Frankfurter Jugendring tritt dafür ein, dass Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in unserem Heimatland keine Gelegenheit bekommen, sich auszubreiten. Toleranz und Weltoffenheit, Bereitschaft zum Dialog und kooperatives Miteinander prägen Hessen. Und das soll so bleiben.

Ausdruck dieses Engagements ist die Kampagne „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“. Prominent platzierte Banner, Plakate, Postkarten und Aufkleber verbreiten vor der Landtagswahl dieses Motto in der Stadt Frankfurt.

Statements der Protagonistinnen und Protagonisten des Frankfurter Römerbergbündnisses zu der Aktion:

Philipp Jacks, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Frankfurt am Main, beteiligt sich an dieser Aktion des Römerbergbündnisses, weil es gerade jetzt wichtig ist, Flagge zu zeigen für Weltoffenheit und Toleranz. „Buntgemustert statt kleinkariert“, so Jacks, „das steht nicht nur symbolisch für die seit Jahrhunderten von Migration und Handel geprägte Stadt Frankfurt, sondern auch für die Vielfalt innerhalb der DGB-Gewerkschaften. Egal welche Herkunft, welches Geschlecht, welche sexuelle Orientierung - wir vertreten die Interessen aller unserer Mitglieder. Und wir treten dafür ein, dass sie in einer Stadt, in einem Bundesland, in einer Welt leben können, wo sie respektiert und nicht diffamiert werden. Deswegen ist es auch und gerade bei den anstehenden Landtagswahlen wichtig, für Weltoffenheit, gegen Hass und Ausgrenzung zu stimmen. Wir sollten die Kraft der Vielfalt nutzen, statt im alten Saft zu braten. Eben: Buntgemustert statt kleinkariert.“

Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan, ist der Auffassung: „Diversität macht den Lebensraum der Stadt lebens- und liebenswert. Das muss sich auch im Parlament abbilden. Wir brauchen Vielfalt, die zusammengehalten wird vom Willen zum friedlichen Streit und von Kompromissbereitschaft. Es ist kleinkariert, vor allem über Abgrenzung regieren zu wollen. Dadurch entsteht nicht Ordnung, sondern Streit. Und wir zerfleischen uns am Ende selbst! Buntgemustert dagegen zeigt ein Spektrum von Farben, das im Willen zu friedlicher Auseinandersetzung Chaos verhindert.“

Jennifer Marställer, Direktorin der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main, sagt anlässlich der Eröffnung der Kampagne: Wir, die Jüdische Gemeinde Frankfurt, als Teil des Römerbergbündnisses und als Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft, stehen für ein weltoffenes, soziales, freundliches und solidarisches Frankfurt und Hessen. Ausgrenzung und Hass dürfen hier keinen Platz finden.

Das Römerbergbündnis will mit der Initiative „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“ darauf aufmerksam machen und ein Bewusstsein dafür erwecken, dass die anstehende Landtagswahl auch darüber entscheidet, ob Werte wie Toleranz, Menschenwürde, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und ein soziales Miteinander sich gegenüber dumpfer Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Ausgrenzung und jeglicher Form von Extremismus durchsetzen.

Hessen und besonders auch Frankfurt stehen seit je her vor allem für Weltoffenheit, Toleranz, friedliches Miteinander und Respekt. Dass dies auch weiterhin so bleibt und dass wir alle als Juden, Muslime, Christen, Buddhisten, Sikhs, egal ob weiß, schwarz, lila, grün oder gelb, unabhängig davon, wen wir lieben, stolz und glücklich darüber sein können in Hessen zu leben, zu arbeiten und das Leben zu genießen, müssen wir wählen und so wählen, dass kleinkariertes Gedankengut sich nicht durchsetzen kann. Buntgemustert statt kleinkariert spiegelt ein weltoffenes, tolerantes, liberales, Werte schätzendes, menschliches und europäisches Hessen und Frankfurt wider.

Erteilen Sie Fremdenfeindlichkeit und antieuropäischem Gedankengut eine Absage. Wählen Sie nicht kleinkariert, sondern bunt und vor allem gehen Sie am 28. Oktober 2018 wählen. Wählen Sie den Konsens von Menschlichkeit, Toleranz, Vernunft und Respekt! Erteilen Sie all denjenigen eine Absage, deren Politik nur dazu führen kann, dass das Hessen, in dem wir leben, zu dem wir stehen und in dem wir uns wohl fühlen, nicht in dumpfe Kleinkariertheit verfällt.

Die Freiheiten, die wir alle bis jetzt genießen, müssen und sollen weiterbestehen.

Wir hoffen, mit dieser Aktion viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, damit sie ihr Wahlrecht zur Hessischen Landtagswahl 2018 ausüben.

Das Statement des evangelischen Stadtdekans Achim Knecht zum Auftakt der Aktion am 15. Oktober: „Heute muss ich gleich zwei Mal zum Thema „Rechtspopulismus und Rechtsextremismus“ sprechen – die anstehende Landtagswahl vor Augen. Es ist derzeit leider nötig, sich zur Verteidigung demokratischer Werte und Prinzipien zu positionieren. Eine Herausforderung, die mich sehr beschäftigt! Die Menschenrechte gelten für alle – das galt lange als selbstverständlich, gehört aber wohl nicht mehr für alle zum Grundkonsens unserer Gesellschaft. Die AfD erweckt den Anschein, diese Grundlage eines demokratischen Deutschland zunehmend in Wort und Tat aufzukündigen.

In der Zeit nach 1933 hat eine rassistische Einstellung zur Ausgrenzung anders denkender und dann zur Verfolgung und Ermordung vieler Menschen geführt, insbesondere von Menschen jüdischen Glaubens und Herkommens. Das darf sich nicht wiederholen!

Dagegen stehen Toleranz und Respekt für alle Menschen, egal wie sie leben, und denken, egal welcher Religion sie angehören oder welcher kultureller Herkunft sie sind, egal welche Hautfarbe sie haben oder welche Sprache sie sprechen. Die Botschaft von Jesus ruft dazu auf, jedem Menschen mit Achtung und Barmherzigkeit zu begegnen. Menschen, die dem christlichen Glauben verpflichtet sind, können meines Erachtens eine Abschottung unserer Gesellschaft nicht akzeptieren, keine Aufteilung in „wir“ gegen „die Anderen“ hinnehmen.

Als Römerbergbündnis rufen wir deshalb auf, bei der Landtagswahl nur den Parteien eine Stimme zu geben, die das Recht jedes einzelnen Menschen achten und den sozialen Zusammenhalt über alle kulturellen Grenzen hinweg fördern, die sich also für ein buntgemustertes Frankfurt und Hessen einsetzen. Wir sehen in der Vielfalt der Menschen in Frankfurt und in ganz Hessen einen großen Reichtum und keine Bedrohung. Im gegenseitigen Austausch, auch von Unterschieden, und nicht durch Abgrenzung gelingt das Zusammenleben in unserer Gesellschaft!

Das Römerbergbündnis steht schon in seiner Zusammensetzung für gesellschaftliche Vielfalt. Deshalb treten wir denen entgegen, die Hetze und Hass schüren. Zugleich wollen wir eine „inklusive Solidarität“ fördern, die allen Menschen gilt, wie es die diesjährigen Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Aleida und Jan Assmann, gestern in der Paulskirche gefordert haben.

Das Ergebnis der Landtagswahl gestern in Bayern hat gezeigt: Es ist mehr denn je nötig, gegen rechtsextremistische und rechtspopulistische Tendenzen Stellung zu beziehen.

Stellungnahme von Vanessa Lehr, Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings, zu dem Aufruf des Römerbergbündnisses: Der Frankfurter Jugendring ist Dachverband von 28 Jugendverbänden, die alle unterschiedliche Themen abdecken von Sport, Pfadfindertum, die Interessen von Arbeitnehmer*innen, die Vielfalt sexueller Orientierungen und Identitäten bis hin zu religiösen und säkularen Weltanschauungen. Eine bunte Mischung, die den Frankfurter Jugendring erst zu dem macht, was er ist. 

Wir verstehen uns darüber hin aus als eine unabhängige und demokratische Interessenvertretung unserer Mitgliedsverbände und als Sprachrohr aller Kinder und Jugendlichen in Frankfurt am Main.  Die Wahl des hessischen Landtags wird die Lebensbedingungen der Kinder und Jugend in Frankfurt verändern. Die Wahl des hessischen Landtags geht uns deshalb auch an!

Die AfD, aber auch andere Parteien und Organisationen des rechten Spektrums vertreten eine Politik, die die Angst vor dem Fremden schürt und rassistische Ressentiments wieder hoffähig macht. Anders gesagt, wäre die AfD eine Jugendorganisation dürften wir sie nicht in den Jugenddring aufnehmen, da sie gegen unsere Satzung verstößt.

Die AfD greift bereits ganz konkret die Arbeit von Jugendorganisationen an, wie zum Beispiel die der Falken in Rheinland-Pfalz. In mehreren kleinen Anfragen an die rheinland-pfälzische Landesregierung wurde dem Kinder- und Jugendverband als gewalttätig-linksextreme Vereinigung diffamiert. Die Falken sind in sehr vielen Jugendringen vertreten und machen bundesweit eine wertvolle Jugendarbeit.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollte die Vielfalt der Jugendverbände gefördert werden.  Dies war eine der Lehren, die man aus der gerade zu Ende gegangenen Zeit des Nationalsozialismus gezogen hatte. Jugendliche sollten die Möglichkeit erhalten, sich gemäß ihren eigenen Interessen zusammenzuschließen und zu engagieren. Die Jugendringe, als Dachverband, tragen dazu bei, dass die Vielfalt der Verbände erhalten bleibt und dass sie sich auf dem Boden der Verfassung bewegen.

In ihrem Parteiprogramm verliert die Partei jedoch kein Wort zur Kinder- und Jugendarbeit. Ein Zeichen dafür, dass die Belange von Kindern und Jugendlichen keine Bedeutung für die AfD haben.

Bei Umfragen steht die AFD derzeit bei einer Prognose von 14 Prozent bei den anstehenden Landtagswahlen, aber die Umfragen ergeben auch, dass sich jede*r siebte Wahlberechtigte noch nicht entschieden hat.  Wir möchten daher appellieren, sich zu informieren und sich vor allem zu beteiligen. Die Teilhabe am politischen Prozess ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht aller Demokraten und Demokratinnen. „Wir sind mehr“ und können nur mehr sein, wenn alle wählen gehen.

Wir als Frankfurter Jugendring treten ein für ein multikulturelles, für ein offenes Frankfurt, für ein friedliches Zusammenleben und Zusammenwachsen der Menschen in unserer Stadt und in ganz Hessen. Wir sind das beste Beispiel dafür, dass dies gelingen kann: Wir leben diese Vielfalt!

Hintergrund

Das Römerbergbündnis wurde 1978 gegründet mit dem Ziel, auf breiter Ebene Widerstand zu leisten gegen Versuche der NPD und anderer Rechtsextremer, in Frankfurt Fuß zu fassen. Der Name erklärt sich aus der Absicht, den Römerberg, den Sitz des Stadtparlaments, frei vom Druck von Rechts zu halten – im Sinne der Demokratie.
Das Römerbergbündnis trifft sich nicht regelmäßig, sondern nur im Bedarfsfall, wenn rechte Tendenzen erstarken, wenn Rassismus und Intoleranz sich Bahn zu brechen drohen, treten die Mitglieder zusammen und erheben gemeinsam die Stimme für ein weltoffenes und der Menschlichkeit verpflichtetes Frankfurt. Für eine Stadt, die sich dem Dialog und Diskurs verpflichtet sieht, steht der Zusammenschluss. Und nicht zuletzt in Form von Kundgebungen auf dem Römerberg hat das Bündnis über die Jahre Flagge gezeigt.

www.buntgemustert.de

v.l.n.r. Vanessa Lehr (Vorsitzende Frankfurter Jugendring), Jennifer Marställer (Direktorin Jürdische Gemeinde), Philipp Jacks (Vorsitzender DGB Frankfurt/Rhein-Main), Peter Feldmann (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt/M.), Achim Knecht (Stadtdekan evangelischer Kirche), Johannes zu Eltz (Stadtdekan katholischer Stadtkirche).

An der Seufzerbrücke (Brauchbachstr.) sowie an mehreren Mainbrücken in der Innenstadt sind die Banner des Römerbergbündnisses zu sehen.

Weitere Infos:

www.buntgemustert.de

Info

Ansprechpartnerin

Vanessa Lehr, Vorsitzende
vanessa [dot] lehratfrankfurterjugendring [dot] de