Zwischenbilanz des Coaching-Projekts

29. März 2019

Im Jahresbericht 2018 hat der Vorstand eine Zwischenbilanz des Coaching-Projekts veröffentlicht. Der FJR verfolgt das Ziel, muslimische Jugendarbeit genauso zu repräsentieren wie andere konfessionelle Jugendarbeit. Wir wollen die jungen Frankfurter*innen muslimischen Glaubens als aktive Mitgestalter*innen einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft besser sichtbar machen und auch ihre Interessen in der Stadt vertreten.

Wir setzen uns dafür ein, dass Muslime ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind, genauso wie junge Menschen christlichen, jüdischen oder sonst welchen Glaubens. Und wir wollen jungen Muslim*innen den Rücken stärken, die in Frankfurt von antimuslimischem Rassismus betroffen sind, denn auch hier nimmt er gerade besorgniserregende Dimensionen an.

In unserem Projekt begleiten wir muslimische Gemeinden beim Aufbau von selbstorganisierter, partizipativer und demokratischer Jugendarbeit. In Rückkopplung mit Jugendgruppenleiter*innen in Moscheen konzipierten wir 2017 ein entsprechendes Projekt. Die Grundzüge des Projektes wurden in einem Positionspapier formuliert, das im Sommer 2017 von unserer Mitgliederversammlung verabschiedet wurde.

Zentraler Inhalt des Projektes ist, Jugendgruppenleiter*innen in Moscheen dabei zu unterstützen, Jugendarbeit nach den Prinzipien der Jugendverbandsarbeit zu gestalten, und sie bei der Gründung eines Dachverbandes muslimischer Jugendgruppen zu begleiten, der dann Mitglied im FJR werden kann. Außerdem helfen wir den Gruppenleiter*innen bei der Akquise von finanziellen Mitteln für ihre Arbeit. Darüber hinaus stehen wir im Dialog mit den Vorständen der Moscheen, deren Beitrag für eine Verselbständigung der Jugendarbeit unabdingbar ist.

Ende 2017 bildeten wir einen Beirat, der das Projekt mit seiner fachlichen Expertise unterstützt. Mitglieder sind Rebekka Rammé, ehemalige Vorsitzende des FJR, Prof. Dr. Joachim Valentin, Vorsitzender des Rates der Religionen, Christian Schulte, evangelischer Stadtjugendpfarrer, Said Barkan, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen des Zentralrats der Muslime e.V., und Saba-Nur Cheema, Pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank.

Viele Moscheen meldeten ihr Interesse an einer Mitarbeit beim Projekt. Aufgrund des Modellcharakters des Projekts und der begrenzten Kapazitäten mussten wir uns auf fünf Moscheen in fünf verschiedenen Stadtteilen beschränken: die Abu Bakr-Moschee in Hausen, die African Muslim Association in Fechenheim, die Attasamuh-Moschee in Heddernheim, die Omar-Moschee in Preungesheim und die Tarik-Moschee im Gallus. Diese fünf Moscheen betrieben bereits vor unserem Projekt verschiedene Formen der Jugendarbeit und möchten nun ihre Jugendarbeit im Sinne der Jugendverbandsarbeit gestalten.

Finanzierung

Im Mai konnten wir die Finanzierung des Projekts sicherstellen. Ein Antrag beim Hessischen Sozialministerium auf Förderung mit WIR-Mitteln (»Wegweisende Integrationsansätze Realisieren«) wurde bewilligt. Darüber hinaus verzichteten die FJR-Mitgliedsverbände auf einen Teil ihrer Zuschüsse, um eine Finanzierung sicherzustellen. So konnten wir ab Juni mit der praktischen Arbeit beginnen.

Coaching

Als Coaches konnten wir Zamira Benjelloun und Tarik Moufid gewinnen. Zamira Benjelloun ist Leiterin des Kinder- und Familienzentrums in der Nordweststadt, Tarik Moufid ist Mitarbeiter der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung »Jugendclub Kleines Zentrum« in der Nordweststadt. Beide haben Erfahrung in selbstorganisierter Jugendarbeit und in der Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen, und sie bringen viel Engagement und Leidenschaft in das Projekt ein.

Den Projektauftakt bildeten zwei Einführungstage mit den Gruppenleiter*innen am 23. und 24. Juni, bei dem sich alle gegenseitig kennenlernten. Alle stellten sich gegenseitig ihre Jugendarbeit in ihrer Moschee vor: Was gibt es bei Euch für Aktivitäten? Ist es bei Euch eher eine feste Gruppe, oder gibt es viel Fluktuation? Wie werbt Ihr für Euer Angebot? Außerdem wurden die Erwartungen an das Coaching abgefragt: Warum seid Ihr bei dem Projekt mit dabei? Was muss passieren, damit Ihr nach einem Jahr zufrieden seid, dass Ihr teilgenommen habt?

Nach dem Einstiegsseminar folgten drei weitere Coaching-Treffen im August, Oktober und Dezember, jeweils sonntags von 9:00 – 12:30 Uhr. Ja, sonntags morgens! Ein anderes Zeitfenster, an dem alle Zeit haben, fanden die Gruppenleiter*innen nicht. Die Treffen wurden von den Coaches, von Mitgliedern des FJR-Vorstandes und der FJR-Geschäftsstelle, sowie von externen Berater*innen, die Erfahrung in der Jugendverbandsarbeit mitbringen, gestaltet. Dabei wurden sehr verschiedene Themen erarbeitet, zum Beispiel: Wie setze ich es um, dass die Teilnehmer*innen das Gruppenprogramm mitentscheiden und mitgestalten, und dass Einzelne Verantwortlichkeiten übernehmen? Wie gehe ich damit um, wenn ein Jugendlicher in der Gruppe gemobbt wird? Wie schaffe ich es, dass eine gute Gruppengemeinschaft entsteht? Wie plane ich einen Ausflug? Wie stelle ich einen Antrag auf Finanzierung? Darüber hinaus haben die beiden Coaches die Jugendleiter*innen kontinuierlich einzeln betreut, um spezifische Fragen bzgl. der jeweiligen Jugendgruppe zu bearbeiten. Es gab auch ein Treffen der Gruppenleiter*innen mit dem FJR-Vorstand, bei dem unterschiedliche Fragen und auch schwierige Themen bearbeitet wurden.

An dem Coaching-Programm nehmen 21 Gruppenleiter*innen (10 weiblich, 11 männlich) teil. Diese arbeiten in ihren Jugendgruppen mit insgesamt 230 Jugendlichen (120 weiblich, 110 männlich) im Alter von zehn bis Anfang 20 Jahren.

Zwischenbilanz

Mit dem Start des Projektes sind wir sehr zufrieden. In den Coaching-Treffen kommen unterschiedliche Erfahrungen aus den Moscheen zusammen, die sich gegenseitig bereichern. Natürlich entwickeln sich nicht alle Gruppen gleich, so ist die Mädchenarbeit in manchen Moscheen schon sehr ausgeformt, während die Jungenarbeit noch im Anfang steht, und in anderen Moscheen wiederum ist es umgekehrt. Die Gruppenleiter*innen sind zu einer Gemeinschaft zusammen gewachsen und sie freuen sich auf den Austausch bei den Coaching-Treffen. Das Wissen, dass andere mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie man selbst, gibt Kraft, Hürden anzugehen. Sie freuen sich auf die Aufgabe, den Start eines Dachverbandes zu bilden, in dem sich verschiedene muslimische Jugendgruppen, die Moscheen unterschiedlicher Dachverbände angehören, zusammenschließen und sich als Sprachrohr der muslimischen Jugend in der Stadt einzubringen.

Durch die finanzielle Förderung des Projektes konnten auch erste Aktivitäten der Jugendlichen bezuschusst werden. Weil die Gruppen bisher kaum an finanzielle Mittel kamen und viele ihrer Teilnehmer*innen aus finanziell schwächeren Haushalten kommen, war ihr Gestaltungsspielraum bisher sehr eingeschränkt. Mithilfe der Zuschüsse konnten kreative Bastelaktionen, gemeinsame Kochaktionen, Spieleabende, Diskussionsrunden und thematischen Workshops für die regelmäßigen Gruppentreffen gestaltet werden. Darüber hinaus konnten auch kleinere Ausflüge, wie Fußballspielen, Eislaufen, Minigolf oder ein Besuch in einer Trampolinhalle unternommen werden. Highlights waren die größeren Ausflüge – eine Tagesfahrt nach Heidelberg und eine Wochenendfahrt nach Eschwege. Die Freizeit in Eschwege wurde von den Teilnehmenden als sehr wichtiges Event wahrgenommen, um ganz neue Erfahrungen in der Gruppe zu sammeln und das schöne Gefühl zu erleben, in der Gemeinschaft von Gleichaltrigen gut aufgehoben zu sein.

Vernetzung

Um die Stadtverordnetenversammlung und die Fachöffentlichkeit zu informieren, haben wir das Projekt am 19. November 2018 im Fachauschuss Kinder- und Jugendförderung präsentiert. Neben den Projektverantwortlichen schilderten auch Gruppenleiter*innen und Moscheevorstände ihre Einschätzungen. Die Resonanz der Fachausschussmitglieder fiel sehr positiv aus. Wir freuen uns, dass die Wichtigkeit dieser überfälligen Aufgabe anerkannt wird und dass auch die Vision, langfristig weitere Moscheen in dem Projekt aufzunehmen, begrüßt wird.

Wir hielten die Fraktionen der regierenden Parteien in der Stadtverordnetenversammlung über den Stand des Projektes auf dem Laufenden und warben für die finanzielle Bezuschussung der Arbeit der Gruppen von städtischer Seite. Viele Akteure in Frankfurt und im Umland interessieren sich für unser Projekt und suchen hierzu den Austausch.

Wir freuen uns auf die Weiterführung des Projektes 2019, in dem im besten Fall Jugendgruppen aus weiteren Moscheen dazu kommen.

Info

Ansprechpartnerin

Maren Burkhardt, Referentin
Tel.: 069 56 000 111
maren [dot] burkhardtatfrankfurterjugendring [dot] de